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Mielitz machts
möglich Der 'Ring' in Meiningen 3.
Tag: Götterdämmerung 16.4.2001
Musiktheater wie es sein soll. Wo sonst
bekommt man eine so stimmige Ring-Produktion, wenn nicht 2001 in
Meiningen. Ein Ring nach dem man sich seit Jahren gesehnt hat,
Inszenierungskunst, ausgefeilt bis ins kleinste Detail. Jeder
Wimpernschlag, jedes Zucken eines Fingers ist überlegt und bringt
etwas ganz Außergewöhnliches zustande. Das Ensemble von Christine
Mielitz nimmt jede Anregung auf und setzt sie am Abend um. Wie gut,
dass die Mielitz kein sattes West-Theater als Intendantin übernommen
hat, sondern in Meiningen, am Rande der Welt, die große
Theatertradition fortführen kann. Mit wenig Mitteln, ohne
technischen Heckmeck an Kulissengeschiebe. Je weniger Bühnenbild,
desto besser und desto stärker wird ihr Können als Regisseurin
sichtbar. Bei der Götterdämmerung stand ihr nun in Lisa Gasteen
eine Brünnhilde zur Verfügung, bei der alles in sicheren Händen ist,
ob die Partie als solche, die intensive und beseelte Darstellung und
die wunderbar geführte Stimme. Man hört hohe ‘hs’ eingebettet in den
Sound, ohne scharf, ohne schrill, ohne gedrückt, ohne gepresst zu
sein. Alles hört sich ganz natürlich und selbstverständlich an. Ein
großes Talent, dem die Musik-Welt offen steht. Neben ihr der
hauseigene Siegfried von Stephen Ibbotson. Ein Tenor mit drahtigem,
schmalen, sportlichen Körper, der wie sein Kollege am Jung-Siegfried
(Jürgen Müller) die Nasenresonanzen zu stark in die Tongebung
einbezieht, was zwar durch allen ‘Lärm’ hindurchgeht, aber schön
wäre was anderes. Was allerdings noch weniger angenehm rüberkommt,
ist sein starkes Vibrato. Ohne Druck ist es nicht hörbar, also ein
Webfehler in der Technik. Das starke Vibrato der Gutrune kennen
wir schon von ihrer Sieglinde: Brigitte Wohlfahrt, die schöne Frau
mit der falschen Technik. Nanco de Vries’ schlechte Sprechtechnik
wurde bereits bei ‘Rheingold’ ausführlich besprochen, ansonsten
bleibt er auch in der Götterdämmerung ein Alberich mit schmalem,
kleinen Körper und daher wenig Resonanz. Hagen, sein Sohn, mit
André Eckert besetzt, ein stattlicher Mann mit großer Stimme, die
allerdings meist flauschig klingt, zu wenig Kern besitzt; dieses
Manko gleicht er jedoch durch sehr gute Sprechtechnik und
intelligentes Spiel weitgehend aus. An der Waltraute die schon
hinlänglich bekannte Andrea Bönig, die irgendwie immer beleidigt
dreinschaut. Ihr Spiel: unbeseelt, dressiert, sie tut das, was die
Regisseurin gesagt hat. Das nervt, zumal ihre Walküren-Schwester
Brünnhilde: Lisa Gasteen neben der Bönig intuitiv,
selbstverständlich agiert, den Zuschauer anzurühren
vermag. Bereits als Donner überzeugend, füllt Joo Il Choi auch
die Rolle des Gunther aus; seine Sprechtechnik (für einen Koreaner)
ist perfekt, die Stimme groß, markant, sicher geführt. Ich wüßte im
Moment keinen deutschen Sänger, der diese teutsche Historienfigur
ähnlich präsent (stimmlich und spielerisch) zu gestalten
vermag. Bei den wunderschön singenden Zuckerpuppen aus den Tiefen
des Rheins, Kersten Keller und Jana Hruby, fällt die Flosshilde und
bei den wissenden Nornen von Francisca Beaumont und Jana Havranová
die zweite von ihnen auf, die beidemale von Margit Diefenthal
gesungen wird. Das wird mal eine Waltraute, da kann eine
Kanzelschwalbe wie Andrea Bönig einpacken. Der Chor ist von
Christine Mielitz zu höchster Spielfreude angestachelt worden,
unglaublich präsent und stimmlich exzellent eingesetzt. Es ruft
Erinnerungen an Mielitz’ Rienzi-Inszeneierung ander Komischen Oper
Berlin wach! Eine Palme des Abends gebührt Kirill Petrenko, dem
28-jährigen musikalischen Leiter. Wach, immer da, musiziert er im
ersten Akt mit der Philharmonie Gotha-Suhl und die beiden letzten
Akte mit dem Meininger Orchester dieses große Werk so leicht, so
unverkrampft und so einfühlsam. Der Jubel des Publikums war riesig,
als er zum Applaus vor dem Vorhang erschien. Statisten, Solisten,
Chor, Technik, Requisite, Ankleider, Einlasspersonal,
Orchesterwarten, vielleicht sogar den Pförtnern des Meininger
Theaters, ich weiß nicht wem man sonst noch danken soll, für dieses
pralle, aktive, lebendige Stück Theater, das man schon verloren
glaubte. Abschließend sei bemerkt: wer ein solches Glück
errungen, an diesen Abenden in Meiningen den ‘Mielitz-Ring’ erlebt
zu haben, hat etwas ganz seltenes für die heutige Zeit erfahren:
Können! 23.50
Szenenartistik trotz Bühnenbild Der
'Ring' in Meiningen 2. Tag: Siegfried 15.4.2001
Gestern der Pulk schönsingender Walküren, in
den Bewegungsabläufen wie ein Schwarm Neonfische ein Becken
durchstiebend, wobei, wenn nur eine die Spiellaune aus der Reihe
schwimmen läßt, von unten sofort und heftig der Käscher geschwungen
wird, um alle einzufangen. Das ist schön, das ist lebendiges
Theater. Gestern die wunderbar choreografierten
Vater-Sohn-Tochter-Szenen - absolut überzeugend. Gestern der alle
überragende Franz Hawlata als deftig herrschender Patriarch
Richard-Wotan. Gestern großes Theater in Meiningen.
Zurück fällt ‘Rheingold’ mit seinen aus den marmornen Barrikaden
heraufsteigenden Götter-Menschen. Gäbe es den Loge (Günter Neumann)
nicht, es wäre zum Trauerspiel geraten. Heute, ein Jürgen Müller
aus Magdeburg als Siegrfried und ihm zur Seite "Ich bin der Mime aus
Tirol" Oskar Pürgstaller, ohne Jodeldiplom, obzwar er laut Vita
sonst alle Diplome, die an einer Hochschule zu erwerben sind,
ersungen hat. Und sie werden zum Paar des Abends. Was es da zu
sehen gibt von den beiden, so schnell kann man gar nicht gucken, um
alle Mielitzschen Regieeinfälle mitzukriegen, die Siegfried und Mime
präsentieren. Ohne Video (das man in slow motion abspielen müsste)
ist es unmöglich, alles zu rekapitulieren und aufzuzählen.
Gigantisch! Siegfried groß, stattlich, körperlich unglaublich
präsent als ‘edler Wilder’ - kämpft im ersten Teil weniger mit der
Rolle, als mit der rutschenden Hose und seinen langen Haaren - mit
großer, fokussierter und sicher geführten Stimme, wobei Jürgen
Müller der Rat mitgegeben sei: es gibt noch andere Resonanzräume
außer der Nase und wenn er statt des Vokals ‘e’ ein ‘i’ singt, dann
geht es leichter und besser und genauso (text)verständlich. Oskar
Pürgstaller der typische Buffo im Charakterfach als wild wütender
Zwerg, der sehr an Gerhard Unger erinnert, der im letzten
Rennert-Ring in München den Mime sang. Wieder, wie schon in der
‘Walküre’, ist Wotan - hier nun als Wanderer - von der Trainerin
Mielitz als Libero aufs Spielfeld geschickt worden. Präsent
beobachtet und lenkt er das Spiel - auch als stumme Juhle. Stimmlich
sehnt man sich nach Hawlatas Samt, denn Bodo Brinkmann klingt
zweifelsohne routiniert, doch kehlig und knorrig und damit so, als
habe er weiland bei Leonardo Wolowsky in Frankfurt
studiert. Alberich und Fafner mit Nanco de Vries und Gennady
Rodionow besetzt, sind bereits stimmlich in ‘Rheingold’ ausführlich
rezensiert, der dortigen Beschreibung ist nichts Neues
hinzuzufügen. Verhärmt die Erda von Andrea Bönig. Was soll die
Frau im Zyklus noch alles singen? Dass sie müde und lustlos und
kraftlos wirkt, kein Wunder. Mit absolut sicherem, pikfein
geführtem Sopran, das Waldvögelein von Valentina Farcas. Eine
Jubellerche, die unter Naturschutz gestellt werden muss. Die
Heldin des Abends sollte eigentlich die Brünnhilde (Ursula Prem)
sein, sollte! Wie schon in der ‘Walküre’ beobachtet, Tiefe und
Mittellage sind akzeptabel, bei den ‘Rufen’ kündigte es sich schon
an, in der hohen Lage macht sie technische Fehler. Ursula Prem
sollte die Töne vorausdenken und die Resonanzräume entsprechend
einstellen, nicht einfach aus dem Hals schreien. Das führt schnell
zu Heiserkeit und Verschleiß. Warum das Meininger Brünnhildchen
zwischen zweitem und dritten Abend dreimal umgebettet wird - vom
Katafalk in ein Drahtei und zum Schluss in Erdens Lotterbett, bleibt
unverständlich. Bei allem Respekt vor dem Lebenswerk Hrdlickas, die
Bühnenbilder zum "Ring" sind eher hinderlich. Heute die Thüringer
Philharmonie Gotha-Suhl im Einsatz, ein im besten Sinne des Wortes
‘geschlossener Klangkörper’, dem man die sinfonische Arbeit anmerkt.
Sehr wach und reaktionsschnell, warm im Klang. Ein besonderes Lob
gilt Kirill Petrenko am Pult, der ein aufmerksamer Musikalischer
Leiter ist. Er wirft den Sängern die Einsätze förmlich zu, sie
können sich sicher fühlen, frei agieren, werden sie doch musikalisch
auf ‘Händen getragen’. Ein großer Abend in einem kleinen Theater.
Der Eindruck entsteht, gutes Theater habe in der "DDR" überwintert,
eine Erkenntnis des Abends: Verachtet beim Theater mir ‘die Zone’
nicht. 23.35 Uhr
Wotans wilde Weiber Der 'Ring' in
Meiningen 1. Tag: Die Walküre 14.4.2001
Grandiose Choreografie, meisterhaft
geführtes Ensemble. Das ist
die Quintessenz des Abends und so war auch vor Begeisterung ‘das
Haus aus dem Häuschen’. Ein paar ‘Neidhammeln von der Wied’n’ waren
mit dem ‘Bühnenbild’ nicht einverstanden. Kann man auch sein, denn
die paar Skulpturen, ein immer wiederkehrendes fahrbares Podest mit
dem Januskopf Hrdlicka/Wagner und immer wieder von der Leine
fallende Laken sind nicht unbedingt eine Walküren-Szenerie, aber
sich so unverschämt zu äußern, ist absolut unangebracht einem Könner
wie Alfred Hrdlicka gegenüber. Nun "schweig mir von
dem". Glänzende Einfälle: Richard-Wotan, nun als Reaktionär,
steigt von den vergammelten Barrikaden, obwohl Semper sie gebaut
hat, die Leichen fallen vom Fleisch und Richard-Wotan bereitet den
Inzest, dem er dann mit seiner Tochter zusieht, vor; das Ringen
Brünnhildes um Siegmund; Siegmunds Laufen in den Speer Wotans; die
Konfrontation Wotans mit dem Leichnam Siegmunds;
der Auftritt der Walküren in einem Schlachthaus mit den gefallenen
Helden an Fleischerhaken; das Abwatschen der Tochter nach dem
Ungehorsam und auch die effekt- und sinnvollen Lichtwechsel
dokumentieren das Beherrschen des Stoffes und ein spielfreudiges
Ensemble hilft der Intendantin-Regisseurin zum Erfolg. Wieder
eine Gesangsstunde bot Franz Hawlata als Wotan, man hört z.B. wie
und wo die Stimme sitzt, man versteht jedes Wort. Da wundert es,
wenn man der Sieglinde von Brigitte Wohlfahrt zuhört, wie
problematisch die Singerei doch ist. Eine schöne große Frau -
eigentlich die perfekte Sieglinde mit großer Stimme - und dann wird
diese nicht geführt. Der Zuschauer bekommt einen ständigen Triller
präsentiert sobald die Dame Power nachschiebt. Wunderbar drucklos
das "nicht sehre dich Sorge um mich" und gleich beim "hehrsten
Wunder" flattert die Stimme wieder
schlimm. Die Fricka von Andrea Bönig - mit Ansage, obwohl zum
‘Rheingold’ kein Unterschied zu hören war - die typische Dame aus
dem 19. Jahrhundert. Zickig, spießig, hysterisch, rachitisch und
dadurch das Zittern vor Aufregung sehr deutlich
darstellend. Frank van Aken als Siegmund eine wahre Freude. Ein
junger, kraftvoller Held, groß und stämmig, mit gut geführter
Stimme, strahlender Höhe, obzwar gerade hier bei ihm die Gefahr des
Quetschens, sprich: Knödelns, besteht. Auch in den poetischen
Momenten glaubhaft. Und in Bezug auf die Diktion sollte sich sein
Landsmann Nanco de Vries an ihm ein Vorbild für seinen Alberich
nehmen. Beim Rheingold-Fafner fiel in der Molton-Ummantelung des
Riesen nicht auf, wie mulmig die Stimme von Gennady Rodionow - hier
nun als Hunding - klingt. Man denkt unwillkürlich an den sprechenden
Hund aus Loriots Sketchen, will man Rodionows Leistung unter dem
Aspekt ‘Übertreibung macht anschaulich’, dokumentieren. Unser
Brünnhildchen muss nun morgen zeigen, wie sie mit der hohen Lage im
blanken c-Dur klarkommt. Als Walküre wird sie - bis auf die Rufe -
geschont und die liederabend-artigen Passagen des "Siegmund, sieh
auf mich" und "War es so schmählich" läßt die Mielitz am Portal
singen, so dass sie die tiefen Lagen drucklos bewältigen kann. Aber beim "Heil dir, Sonne!" und "Leuchtender
Liebe lachender Tod" sieht es dann anders aus. Das Orchester
konzentrierter heute - man wird doch nicht nachts noch geübt haben -
aber auch hier wieder Bläser-Kieckser, die Sänger-Textdichtungen
ergänzend. 23.40 Uhr
Wild webendes Weib wagt
Wagner Der 'Ring' in
Meiningen Vorabend: Rheingold
13.4.2001
Christine Mielitz, ehemals Oberspielleiterin Komische
Oper Berlin, nun als Intendantin in Meiningen, das durch sie in den
Mittelpunkt der Theater im deutschsprachigen Raum rückt, setzt sich
nicht mit dem 'Holländer' oder dem 'Lohengrin' auseinander, nein,
"den Ring muss ich haben". Und auch noch alle vier Abende ohne Pause
hintereinander weg.Verhebt sich ein Theaterchen in einer ehemaligen
Residenzstadt, dann Provinz in der 'Zone' und nun zweitgrößter
Arbeitgeber in einer Kleinstadt mit einpaarzwazigtausend Einwohnern
nicht? Als Bühnenbildner konnte die Mielitz
Alfred Hrdlicka gewinnen. Er ist schon ein Ereignis. Hoch türmen
sich seine Felsen auf der Bühne, angeblich sollen das die Barrikaden
aus 1848 sein, so können sie aber erst 1849 ausgesehen haben, denn
da standen sie in Dresden, darf man den Historikern trauen und hier
könnten sie wohl mehr der Steinbruch für die Götterburg Walhall
gewesen sein. Die Rheintöchter an Fäden hängende oder über den
Boden rollende übergroße Mamas. Leider verkleckert dann die Präsenz
des grandiosen Bildhauers und nur noch die Barrikaden werden vor und
zurückgeschoben und um und um gedreht. Da möchte man mehr vom
Meister sehen. Außer einem fallenden, von Hrdlicka bemalten,
Prospekt, ist nichts mehr von seiner typischen Handschrift
erkennbar. Stimmlich betörend die drei Damen aus dem Rhein,
Kersten Keller, Jana Hruby, Margit Diefenthal kraftvoll, sicher und
rund in der Tongebung. In der Präsenz etwas unglücklich verhuscht
wirkend, selbst wenn das mahnende Immer-wieder-Erscheinen von der
Dramaturgie her sinnvoll ist. Wie sollen optisch diese schlanken
Zuckerpuppen auch gegen die Wamperten von Hrdlicka
ankommen. Nanco de Vries - auch später am Abend - selten einen so
unglaublich behänden Alberich gesehen, stimmlich aber fehlt ihm das
Bedrohliche. Die Stimme sitzt irgendwo in seinem Körperchen, die
Diktion - für einen Niederländer! - mangelhaft! Dann die Götter:
Wie Grottenolme weiß, fad und auch sonst so farblos. Man steht
göttlich herum, steigt emotionslos auf die Barrikaden, ist recht
unbeteiligt, die Fricka, der Froh und der Donner. Hatte die Mielitz
nicht genügend Zeit, sich um die Bewegungsabläufe der Götter zu
kümmern? Freia müht sich in Dramatik, Liegen am Boden allein, kann's
wohl nicht sein! Fricka (Andrea Bönig) soll wohl wie Cosima
aussehen, scheint mit dem 's' Probleme zu haben, die Stimm' etwas
kehlig, die Sprache bleibt auf der Strecke. Niclas Oettermanns Froh,
wacker und kraftvoll, in der Höhe eng werdend. Der Donner von Joo Il
Choi, für einen Asiaten sprachlich erstaunlich deutlich, stimmlich
kann man für den Gunther etwas erwarten. Und nun zu Wotan. Franz
Hawlata singt schön, heldisch, satt im Klang, mühelos in der Höhe,
rund in der Mittellage und Tiefe. Sprachlich äußerst plastisch. In
Darstellung und Präsenz aber wenig göttlich, mehr der Hausvater, der
Mühe hat, seine Familie zu bändigen. Oder wie Traugott Buhre als
Theatermacher. Nun kommt Puppentheater, denn die Riesen in Form
von Marionetten, erscheinen in der Kostümierung des 'Kini von
Bayern' und Richard. Was das nun soll, ist schwer zu erläutern und
würde auch den Rahmen hier sprengen, denn die Idee ist so umwerfend,
dass einem die Worte fehlen. Den beiden Pappkameraden leihen Pawel
Izdebski (Fasolt), mit stärkerem Vibrato ausgestattet, und Gennady
Rodionow (Fafner), volltönend klingend, ihre Stimme. Wie wird
letzterer im 'Sigfried' sein? Und jetzt "endlich Loge": Man
erlebt die Komische Oper in ihrer besten Form. Günter Neumann, schon
die ersten Gänge, die Stimme und man sieht seinen 'Hermann',
'Rienzi', 'Eisenstein' und seinen 'Canio' wiederbelebt. (Wie rief er
dem Publikum beschwingt bei seiner vorletzten Vorstellung der
Felsenstein-Blaubart-Inszenierung zu: "nun seid nicht so traurig,
morgen spielen wir es ja noch einmal." Anfänglich musste am Pult
sehr geschaufelt werden, um mit dem Sänger im Einklang zu kommen,
aber sieht man Günter Neumann den Loge gestalten, nimmt man auch mal
Unrhythmisches in Kauf. Sein Spiel überträgt sich auf die Kollegen
und dann klappt's auch mit dem Nachbarn, bei denen es dann auch
leichter und unverkrampfter läuft. "Nibelheim hier" und Auftritt
der Nibelungen. Gut gelöst die Ambossszene mit phosphoriszierenden
Hämmern, das Heranschleppen der Barren aus den Tiefen der Unterbühne
- die Technik hat viel zu tun mit dem Schließen und Öffnen der
Bodenklappen - die Verwandlung in den Riesenwurm typisch Mielitz,
ein paar Soldaten sind immer dabei, die Kröte, da merkt man dann
doch am Zu-frühen-Licht die Nervosität auf der Szene. Viel
verspricht Oskar Pürgstaller als Mime für den 'Siegfried'. Stimme,
Aussprache, Spiel zeigen schon im 'Rheingold' einen unglaublich
lebendigen Bruder Alberichs, dessen Qualen überlebend. Erda wird
wie aus einer Bratröhre oder einem Kohlenkasten auf die Szene
geschoben, Francisca Beaumont, mit schönem satten Alt, allerdings
wenig differenzierend, ganz sportlich runtergerattert, merkwürdig
kurzatmig - und eigenem blanken Busen? "Zur Burg führt die
Brücke" über Leichen - hier den toten 'Fasolt-Kini' - ohne Ludwig
II., der Brücken ihm baute, hätte es für Richard Wagner bedenklich
ausgesehen. Kirill Petrenko am Pult, bemüht, Unebenheiten im
Graben auszugleichen, alles zusammenzuhalten, dort ein paar
Bläser-Kiekser überhörend, auch mal einem Sänger den Einsatz zu früh
gebend, wie es halt passiert im Übereifer, ob nun in Meiningen oder
an der Lindenoper. Der Beifall stürmisch, die Tat achtend und
Einzelleistungen würdigend. 23.20 Uhr |