| "Ring"-Marathon | |
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Meiningen, Wagner's "Ring" und Alfred Hrdlicka - kompakt am Osterwochenende in Thüringen.
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Mit Richard Wagners "Ring des Nibelungen" geht das berühmte historische
Theater der südthüringischen Stadt Meiningen zu Ostern ein Opernexperiment der besonderen Art
ein: Die Traditionsbühne zeigt die monumentale Tetralogie als
Neuinszenierung an vier aufeinander folgenden Tagen.
Nicht nur Musikkenner werden mit diesem Kraftakt namens "Wagnis Wagner"
angesprochen, auch optisch hat die Aufführungs-Serie einiges zu bieten:
Für das Bühnenbild hat Regisseurin und Intendantin Christine Mielitz den
Wiener Maler und Bildhauer Alfred Hrdlicka gewonnen. Revolutionsstoff Mielitz facettenreiches Regiekonzept greift vor allem die
revolutionären Hintergründe des Wagner'schen Stoffes auf. Während der
Revolution von 1848 beteiligte sich der Komponist am Dresdner Maiaufstand
(1849), die Erfahrungen aus diesem Ereignis gaben ihm den Impuls für das
Werk.
"Ich will das Publikum konfrontieren mit der Kraft, die Menschen
aufbringen, um Visionen zu erzeugen", sagt die Theaterchefin, die vor
ihrem Wechsel nach Meiningen 1998 mehrere Jahre als Oberspielleiterin an
der Komischen
Oper in Berlin tätig war. Dort machte sich die heute 51-Jährige
bereits mit "Cola Rienzi, der letzte der Tribunen" und "Die Meistersinger
von Nürnberg" als Wagner-Regisseurin einen Namen. Für Mielitz beschreibt der "Ring" die Geschichte eines Mannes, der ein
Gesellschaftsbild ohne Geld und Gold entwirft. Zugleich spiegelten sich
darin Elemente aus Wagners Lebensweg, so etwa in der Gestalt des
Siegfried, der als Autodidakt, als Gegenstück zur saturierten
Künstler-Persönlichkeit in die Welt komme: "Auch Wagners Ziel war es, raus
zu kommen aus der Kunstwelt und hinein in die Welt", erläutert
Mielitz. Hrdlicka's "Ring"-Deutung
Alfred Hrdlicka und Jan Schneider, ehemaliger Assistent aus der
Meisterklasse des Wiener Künstlers, haben diese Aspekte in deutliche
bildnerische Sprache übersetzt: Ein Vorhang, der die Skyline der
Bankentürme von Frankfurt am Main zeigt, steht für Wagners
Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und stellt zugleich den Bezug zum
Heute her. Der Wald ist ein schwarz-rot-gelbes Geflecht, das Bett in der
Schlussszene von "Siegfried" erinnert an die Dresdner Barrikade. Und wenn
Siegfried den Drachen tötet, wird das Ungeheuer drei Mal die Gestalt
Wagners ausspeien, als Zeichen für dessen Drang nach schöpferischer
Selbsterneuerung. Debut-Reigen Die musikalische Leitung des Opernprojektes hat der Meininger
Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, der damit zugleich sein Wagner-Debüt
gibt. Er dirigiert neben dem Theaterorchester auch die Thüringen
Philharmonie Gotha-Suhl, die den "Siegfried" und den ersten Akt der
"Götterdämmerung" spielen wird.
Auch viele der vorwiegend jungen Sänger betreten mit der Meininger
Inszenierung künstlerisches Neuland: So etwa Franz Hawlata, der erstmals
den Wotan einstudiert hat. Vor allem die Hauptpartien sind doppelt
besetzt. Christine Mielitz selbst will sich mit der gesamten "Ring"-Serie nicht
nur einen eigenen Wunsch erfüllen: "Ich möchte den Traum des Autors
umsetzen, den Ring an vier aufeinander liegenden Tagen laufen zu lassen",
sagt die Regisseurin. Noch bis zum Sommer soll der Vierteiler in Form von drei weiteren
Zyklen auf die Meininger Bühne kommen, schon jetzt sind alle Vorstellungen
ausverkauft.
3 Mal Hrdlicka-Ausstellungen Parallel zu den Aufführungen sind in Meiningen auch Hrdlicka-Werke zu
sehen, an insgesamt drei Schauplätzen: Arbeiten, die in Auseinandersetzung mit dem Nibelungenthema entstanden
sind, zeigen die Meininger Museen in Schloss Elisabethenburg unter dem
Titel "Nibelungentreue". Ausgestellt sind hier über 50 Pastelle und etwa
25 Plastiken des Künstlers. Die Städtische Galerie Ada zeigt die Radierzyklen "Die Revolution von
1848" (in Anlehnung an die Teilnahme Wagners an den revolutionären
Ereignissen in Dresden 1848) sowie Hrdlickas "Wagner-Stifter"-Zyklus.
In der Rhön-Rennsteig-Sparkasse wird "Alfred Hrdlicka in der Sammlung
Ernst Hilger" präsentiert, mit der ein Einblick in die private Kollektion
(vom Ende der vierziger Jahre bis heute) von Hrdlickas Kunsthändler in
bisher nicht präsentierter Komplettheit geboten wird - das Ambiente ist
keineswegs das eines Bankinstitutes, denn die Sparkasse hat eigene
Kunsträume geschaffen, darunter auch ehemalige Tresorräume. Die Ausstellungen "Alfred Hrdlicka in Meiningen" werden am 15. April
mit einem "art walk act", eröffnet, bei dem das Publikum gemeinsam mit dem
Künstler eine Stadtwanderung zu den Ausstellungsorten unternimmt. Die
Ausstellungsdauer reicht weit über die Theaterwoche hinaus bis zum 9.
September. Link: Meininger Theater | ||||||||||||||